Das ganze Leben ist eine Einübung ins Loslassen!

Liebe Freunde und Wegbegleiter, liebe Schwestern und Brüder im Glauben, liebe Königsbrunner!

 

Das ganze Leben ist eine Einübung ins Loslassen! 

 

Diesen Satz habt Ihr von mir im Laufe der Jahre sicherlich (hoffentlich) öfter gehört. Darin steckt eine tiefe menschliche Einsicht, die auch Teil meiner Verkündigung, meiner seelsorglichen Arbeit und meines eigenen geistlichen Weges geworden ist.

Loslassen als geistliche Haltung bedeutet für mich, dass ich versuche, den eigenen Willen immer mehr loszulassen und mich hinein zu begeben in den Willen Gottes. Das große Vorbild dafür ist Jesus selbst, dessen oberstes Ziel es war, den Willen des 

Vaters zu erfüllen. Und der uns auch gelehrt hat zu beten: „Dein Wille geschehe!“.

Immer wieder gab und gibt es Momente, in denen eine solche Haltung des Loslassens und die damit verbundene innere Freiheit besonders gefordert sind. Solche Momente kommen oft plötzlich und unvermutet. So war es nun auch bei mir.

Ende März erhielt ich einen Anruf unseres Generalvikars Harald Heinrich mit der Anfrage, ob ich bereit wäre, die Pfarreiengemeinschaft Augsburg-Oberhausen-Bärenkeller zu übernehmen, da der dortige Pfarrer aus Altersgründen in Ruhestand geht.

Diese Aufgabe, das weiß ich, ist alles andere als einfach. Allerdings hat mich nicht die Frage beschäftigt, ob ich mir diese Arbeit antun möchte? Oder ob es mir in Königsbrunn nicht besser ergeht? Oder ob das jetzt der richtige Zeitpunkt ist? Nein. Ich habe die Anfrage an mich zuallererst als geistliche Anfrage erlebt: Bin ich, wenn es darauf ankommt, bereit zu gehen und loszulassen? Habe ich das Vertrauen, dass Gott mich begleitet und mich führt? Kann ich in dem, was von mir erwartet wird, Gottes Willen erkennen?

Meine Bereitschaft los zu lassen und ja zu sagen hat mich vor 13 Jahren nach Königsbrunn gebracht. Nach nur vier Jahren in Steppach sollte ich die Gründung der PG Königsbrunn übernehme. Auch Königsbrunn galt damals nicht als leichte Aufgabe und war es auch nicht. Ihr wisst das. Aber ich bin gegangen in dem Vertrauen, dass Gott es von mir will. Und bis heute bin ich davon überzeugt, dass es gut und richtig war.

Deshalb war es für mich auch jetzt sehr schnell klar, dass ich der Bitte folgen und nach Oberhausen-Bärenkeller gehen werde. Weil ich auch darin einen Ruf sehe, dem ich mich nicht verschließen will. Und weil ich den Reiz entdecke, der in dieser neuen, großen Aufgabe steckt.

Als ich in diesen Tagen mit dem Fahrrad innerlich sehr aufmerksam durch Königsbrunn gefahren bin, wurde mir bewusst, wie verwurzelt und beheimatet ich hier doch bin. Und ich weiß sehr genau, was ich alles verliere und aufgeben muss, wenn ich Königsbrunn verlasse.

Vor allem sind es natürlich die Menschen, Hauptamtliche und Ehrenamtliche, die mir fehlen und die ich vermissen werde. Ich weiß, der Abschied wird mir nicht leicht fallen. Und dennoch ist mir klar, dass ich gehen muss. Dabei wurde von Seiten der Diözese keinerlei Druck auf mich ausgeübt. Im Gegenteil. Man hat mir ganz frei und ohne Zwang die Entscheidung überlassen.

Während ich diese Zeilen schreibe, merke ich, dass ich traurig bin über so vieles, was mich mit Euch verbindet und was so nicht mehr sein kann. Und ich bin dankbar für den Weg, den Ihr mit mir gegangen seid und der mich hat mit Euch reifen lassen. Danke und Vergelt’s Gott dafür.

Erntedanksonntag der 1. Oktober wird mein letzter Tag als Pfarrer der Pfarreiengemeinschaft Königsbrunn sein. Das ist eine schöne Fügung, weil ich trotz mancher Hürden und Kämpfe vor allem mit großer Dankbarkeit auf die 13 Jahre in Königsbrunn zurück schaue.

Die Diözese Augsburg gewährt mir eine Sabbatzeit von drei Monaten, um mich zu erholen, Kräfte zu sammeln und mich auf die neue Aufgabe vorzubereiten. Auch dafür bin ich sehr dankbar. Zum 1. Januar 2018 beginne ich dann meinen Dienst als neuer Pfarrer der PG AugsburgOberhausen-Bärenkeller. Obschon ich weiß, dass dort schwierige Aufgaben auf mich warten, bin ich doch sehr zuversichtlich. Weil ich weiß, dass dort ebenso Reich Gottes wächst wie in Königsbrunn und an so vielen anderen Orten.

Ich vertraue darauf, dass Ihr meine Entscheidung mittragt, wie Ihr so vieles mitgetragen habt, was ich Euch in den vergangenen Jahren abverlangt und zugemutet habe. Und ich vertraue ebenso darauf, dass Ihr weiterbauen werdet an dem, was wir in den vergangenen Jahren gemeinsam grundgelegt haben. Mit Offenheit für einen neuen Pfarrer und für neue Wege und Herausforderungen, die die Zukunft bringt.

Sicherlich interessiert es Euch, zu erfahren, wer der neue Pfarrer in Königsbrunn wird. Deshalb freut es mich sehr, Euch schon heute mitteilen zu dürfen, dass mit Bernd Leumann ein guter und aufgeschlossener Pfarrer gewonnen werden konnte. Nach neun Jahren als Pfarrer in Pfronten bringt er genügend Erfahrung mit nach Königsbrunn, mit seinen 41 Jahren verfügt er über genügend Schaffenskraft und steht in der Blüte seiner Jahre. (Schließlich ist er noch sechs Jahre jünger als ich.) Er wird seinen Dienst in Königsbrunn zum 1. November antreten. Ich habe mich über diese Personalentscheidung und über seine sofortige Bereitschaft wirklich sehr gefreut und wünsche ihm und Euch allen für die Zukunft viel Segen, Mut und Glaubenskraft.

 

In herzlicher Verbundenheit und Dankbarkeit

Unterschrift Weidner

Euer Pfarrer Bernd Weidner